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Die chasarischen Spiegel

Besetzung
Klavier
Erscheinungsjahr
1991-93
Uraufführungsjahr:
1993
Dauer:
14 Minuten
Mit Dank an:
Einar Røttingen
Ursprünglich geschrieben für:
Einar Røttingen
Über das Werk:

Die Inspiration zu den chasarischen Spiegel (De khazariske spejle) fand Mogens Christensen – so wie bei dem Klavierstück Die Geschichte des Adam Ruhani  und dem Kammermusikwerk Prinzessin Atehs verschwunden Gedichte –  in dem Universum und der Formsprache des Lexikons Das Chasarische Wörterbuch von Milorad Pavic. Die mystische Hauptperson in dem Buch ist die Prinzessin Ateh aus dem 9. Jahrhundert, wenn …

… ihr Name als Bezeichnung für die vier Bewusstheitszustände bei den Chasaren gedeutet werden kann. In der Nacht hatte sie einen Buchstabe auf jedem ihrer Augenlieder … Die Buchstaben entsammten dem verbotenen chasarischen Alphabet, in dem jeder Buchstabe tötet, sobald er gelesen wird. Es waren Blinde, die die Buchstaben schrieben; und am Morgen … wurde sie von ihren Hofdamen mit zusammengekniffenen Augen umsorgt …

Man weiss, dass es der Prinzessin Ateh nie gelungen ist zu sterben … Daubmannus gibt die einzige und nicht sehr glaubwürdige Berechnung weiter, nicht als Geschichte, wie die Prinzessin Ateh wirklich starbe, sondern als ein Erklärungsversuch, wie es hätte geschehen können, wenn sie überhaupt hätte sterben können:

Um die Prinzessin zu unterhalten, brachten ihr die Dienerinnen eines Tages zwei Spiegel… der eine war ein schneller und der andere ein langsamer. Alles, was der schnelle Spiegel sich aneignete, während dieser eine Blick in die Zukunft zeigte, spiegelte der andere, der langsame Spiegel, zurück …

Als die Damen der Prinzessin Ateh die Spiegel brachten, lag sie noch in ihrem Bett und die Buchstaben waren noch nicht von ihen Augenliedern gewaschen worden. Sie sah sich selbst mit geschlossenen Augen in den Spiegeln und starb sofort.

Sie starb, ermordet von den Buchstaben der Vergangenheit und der Zukunft zur gleichen Zeit.

 

Anmerkungen:

… spændstig, helstøbt og interessant.
(Fædrelandsvennen)

… fine kontraster mellem kraft og poesi.
(Bergens Tidende)

… uden der på nogen måde var tale om programmusik.
(Morgenposten, Fyn)